
Engelchen, ja, so hat er mich genannt. Fast 9 Jahre lang. Nein, halt, stimmt nicht. Irgendwann hat er aufgehört mich so zu nennen. Wie lange ist das her? Ein halbes Jahr? Oder länger? Ich weiß es ehrlich gesagt gar nicht.
Na ja, glücklich war ich schon lange nicht mehr. Aber ich dachte, das wird schon wieder irgendwie. Da ist der Job, die Kinder, viele Sorgen. Irgendwann wird's schon besser.
Das dachte ich. Bis zu diesem Tag im November, als ich dahinter kam, dass er eine Freundin hat. Ich brauchte einige Tage, um zu realisieren, was das bedeutet. Einerseits das Gefühl, dass einem der Boden unter den Füßen weggezogen wird, andererseits eine gewisse Erleichterung.
Erleichterung deshalb, weil ich schon länger gespürt habe, dass ich nicht mehr mein eigenes Leben lebe. Dass ich meine Wünsche und Bedürnisse hinten angestellt habe. Dass ich mich respektlos behandeln und ausnutzen lasse. Dass ich mich selbst schon wertlos fühle und nur mehr funktioniere.
Als ich ihm gesagt habe, dass wir uns scheiden lassen werden, war er gleich einverstanden. Ich habe ihn erst am nächsten Tag damit konfrontiert, dass ich von seinem Verhältnis weiß und er hat es vorerst nicht geleugnet. Ich habe ihm gesagt, dass das allein seine Geschichte ist und ich nichts damit zu tun haben will.
Einige Tage später war plötzlich alles ganz anders. Nämlich als es um die Details der Scheidung ging. Möglicherweise hat es damit zu tun, dass er kurz davor bei einem Anwalt war ...
Wie ich darauf käme, dass er mich betrogen hat?!? Das wäre ja alles gar nicht so. Und außerdem hätten wir ja eh nie zusammengepasst. Und ein Paar wären wir ja auch schon lange nicht mehr ...
Es folgten noch einige weitere verbale Attacken und Untergriffe, die ich nicht wiedergeben möchte. Es fällt mir auch nicht leicht, meine Emotionen zurück zu halten. Aber ich möchte einfach eine friedliche Lösung finden, mit der wir beide und vor allem die Kinder gut leben können.
Denn eine Tatsache bleibt immer bestehen: Er ist der Vater der Kinder. Sie sind ein Teil von ihm. Egal was zwischen ihm und mir läuft, das hat mit den Kindern nichts zu tun.
Ich weiß, dass ich das Richtige tue und die Kraft habe, mein Leben wieder in die richtigen Bahnen zu lenken.